baer29

Hendrik`s Gedichte

 

Mädchen

Ein dreijähriges Mädchen
sitzt in der Bahn
große blaue Augen
starren mich verängstigt an
hilfesuchend -
wie nach einem Rettungsring
aus der Masse der erwachs`nen Menschen
Ein kleines Seelchen
wird hin und her geschoben
keiner kümmert sich um sie
es geht in der Menge unter
doch sie -
wird langsam munter
greift nach meiner Hand
schenkt mir ein süßes Lächeln
schmiegt ihren Kopf an mich
Sie hat den Rettungsring gefunden
ist in der Menge nicht mehr allein
hat ihre Sorgen und Ängste vergessen
sitzt nun auf meinem Bein
ihre kleinen zarten Finger
greifen nach dem Griff
eine kleine Hand, die so zerbrechlich ist
Beim Abschied schaut sie mir nach
der Glanz der Augen ist durch Tränen getrübt
das Lächeln - vor Trauer erstorben
dann fährt die Bahn wieder los
sie steht am rand und winkt mir noch zu

Maske I

Alles erstorben -
Nur noch das verkrampfte Lachen
Auf meinem Gesicht
Wie eine Maske
Die es eigentlich nicht mehr geben sollte
Keine Gefühle zeigen
Nach außen abschirmen
Niemanden an sich ranlassen
Ist das die Lösung....
Oder nur ein vor sich herschieben
Von Problemen



Maske II

Über alles geredet mit dir
Fühle wie meine Maske
Langsam zerbricht
Ich komme mir vor wie der Schmetterling
Der sich seiner Puppenhaut
Entledigt hat -
Nicht unerfahren, aber wie neugeboren
Den Mantel endlich wieder ausgezogen
Der als Tarnung dienen sollte
Du hast mich dieser Last entledigt
Das Lachen quillt aus mir heraus
Hast mich wieder zum Mensch gemacht
Auch dafür liebe ich dich

Schweigen

Stumm stehen die Rosen
die vor wenigen Momenten noch leuchteten
Stumm hängt das Bild von glücklichen Zeiten
Im Regal liegt der letzte Brief
zerrissen aus Wut und Unverständnis
Zwei tränennasse Gesichter sitzen im Zimmer
und schweigen sich an
Eindringliche Blicke treffen sich irgendwo im Raum
messerscharf und voller Hass
Wie die Worte, die geschrieen worden
aus Angst und Verzweiflung
Worte, die nur noch verletzten
die den Schmerz noch vermehrten
keine Liebe mehr, die wärmt
nur eiskaltes Schweigen steht im Raum


KINDER I

Kinder spielen hinter dem Haus
Haschen und verstecken.
Manche Eltern schauen zum Fenster raus,
und was sie sehen, läßt sie erschrecken:

Da sind auch ausländische Kinder darunter !
Eltern sehen sich gegenseitig an.
Die Kinder stört's noch nicht, sie spielen munter,
doch dann...
Ein helles, lautes Pfeifen
holt zwei der Jungen weg vom Spiel !
Der Vater kann es nicht begreifen,
daß seinen Jungs das Spiel gefiel !
Die Kinder kennen Haß noch nicht !
Sie spielen noch zusammen.
Mit einem glücklichen Gesicht !

KINDER II

Zehn Jahre sind seit diesem Tag vergangen,
jeder ging seinen eigenen Weg.
Der Zufall führte diese Menschen wieder zusammen
und sie merken, es ist viel zu spät!

Jeder ist ein and'rer Mensch geworden -
der eine hatte sich zurückgezogen,
der and're zog mit Horden.
Und beiden wurden sie betrogen !

Der Auslänger ist Feind Nummer eins,
die freundschaftlichen Bande gibt's nicht mehr !
Jeder kümmert sich um seins.
Es wurden Erfahrungen gesammelt - und die belasten sehr !

KINDER III

Heute haben sie eigene Kinder,
erziehen sie so gut es geht.
Doch beim Thema Ausländer ist Winter,
was keine von den zwei Töchtern versteht !

Sie werden mit Ausländern gehen -
Die Eltern wissen es noch nicht !
Die Töchter hoffen, die Eltern werden es verstehen
und sagen's ihnen mitten ins Gesicht !

Sie brechen aus den gesetzten Normen aus -
Man läßt sie es auch spüren ! ...
Eine Horde zieht sie und ihre Männer heraus !
Nach der Randale können sie sich nicht mehr rühren !

Fest geschnürte, schwarze Stiefel ziehen durch das Land,
werden of begeistert empfangen,
setzen Ausländerwohnheime in Brand !
Sind zu offener Gewalt übergegangen !


KINDER IV

Und wieder spielen Kinder hinter dem Haus
Haschen und verstecken.
Manche Eltern schauen zum Fenster raus
und was sie sehen, läßt sie erschrecken

Sehnsucht

Zigaretten qualmen noch im Ascher
Die Bude eben noch voll
Jetzt - gähnende Leere
Absolute Stille!
Nur das letzte Lied klingt noch nach
Worte von Liebe und Zärtlichkeit
Gerade gehabt - und jetzt so weit
Versunken in Gedanken - bei Dir
Sehnsucht lebt auf-
Einsamkeit und Kälte!
Deine Nähe würde alles vertreiben,
Mich glücklich sein lassen!
Die Hoffnung bleibt -
Warten auf das nächste mal!


Zeit

Du sagst:
"Lass mir Zeit!"
Aber Du gibst mir das Gefühl,
schon zu Dir zu gehören!

"Lass mir Zeit!"
Doch Du küsst und streichelst mich
als ob wir schon eins wären -
einfach zusammen!

"Lass mir Zeit!"
Aber ich merke, es ist schon soweit.
Du wartest auf mich,
Freust Dich über jede liebevolle Geste.

"Lass mir Zeit!"
Du müsstest umdenken,
Wir würden uns anders gegenüberstehen.
Wirklich?

"LASS UNS ZEIT"

Gedanken am Biertisch

Viel Gerede - viel Fröhlichkeit,
Qualm steht in der Luft.
Alkohol zieht seine Kreise,
verbreitet ekelhaften Duft.
Erzwungenes Lächeln.
Unter Freunden allein!
Ich bin isoliert.
Kann das möglich sein?
Ich bin nicht betrunken
und dennoch berauscht
von meinen Gedanken
wie in einem Irrenhaus!
Wir wollen heut' feiern,
Probleme gibt's da nicht.
Und doch ist da so vieles.
Keiner sagt's ihm ins Gesicht!
Man spricht und redet,
quatscht und diskutiert.
Und kein Mann würde sagen:
"Ich bin einsam und mich friert!"
Gefühle darf's nicht geben.
Gefühle hat kein Mann.
So verzieh ich mich ganz leise
und denke "Mann oh Mann!"
Warum verstellen sich so viele,
lassen keinen an sich ran.
Und denken dann wohlmöglich
"Bin ich ein harter Mann!"
Auch Männer sind nur Menschen
mit einem weichen Kern.
Sie sind wie kleine Kinder
und haben Liebe gern!
Der Mann in der Gesellschaft
als gefühlloses Objekt.
In uns sind kleine Kinder,
in rauher Schale tief versteckt!
Gefühle sind natürlich,
so denken einige von hier.
Doch darüber zu reden
bei Zigaretten und Bier?

 
Novembermorgen

Purpur hebt sich der Morgen
Aus der Nacht
Langsam die Menschheit aus
Dem Schlaf erwacht

Von Reif überzogen
Liegen die Felder
Starr vor Kälte
Stehen die Wälder

Einsam im Wald ein Haus
Ein kleiner Junge tritt heraus
Die Wiese - übersät mit Kristallen
Er geht darüber - unbeeindruckt von allem

Streß und Hektik bestimmen das Leben
Er hat keinen Blick für dieses Eden
Welche Wunder die Natur erschafft



 


 


 



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