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Eingeschrieben von Bianca P. (Forum)

Das Tränenkrüglein

Es lebte vor Jahren eine junge Frau, der war das einzige Kind gestorben. Sie weinte bitterlich und
konnte sich gar nicht trösten. Jede Nacht lief sie hinaus auf das Grab und jammerte, daß es die Steine hätte erbarmen mögen.


Nun sah sie einmal in der Nacht einen Zug von Kindern vorüberziehen. Ganz hintendrein aber lief ein ganz kleines Ding mit einem ganz durchnäßten Hemdchen angetan. Das Kindlein trug in der Hand einen Krug mit Wasser. Es war ganz matt geworden und konnte den anderen nicht folgen.
Ängstlich blieb es vor dem Zaun stehen, über den die anderen Kinder kletterten.


Die Mutter erkannte in diesem Augenblick ihr Kind, eilte hinzu und hob es über den Zaun.
Während sie es so in den Armen hielt, sprach das Kind: "Bitte liebe Mutter, laß das Weinen. Du weinst mir meinen Krug sonst so schwer und voll. Da sieh, ich hab schon mein ganzes Hemdchen damit beschüttet."

Da weinte sich die Mutter noch einmal herzlich aus und dann nie wieder

Wie lang ist das Leben und was kommt danach«, fragte der Schmetterling Gott. »Was war davor? Warum weiß ich nichts davon?« —Viele, schwere Fragen an einem schönen Frühlingstag. Fragen an Gott und es gab doch keine Antwort. Oder? Träumte der Schmetterling? Etwas oder jemand ließ ihn spüren, dass er nicht alleine war: »Du kannst dein ganzes Leben noch einmal erleben.
Fliege ganz hoch, so hoch wie du kannst, und du wirst Augen haben, die alles sehen: Ohren, die alles hören und eine Seele, die alles fühlt." - Und der Schmetterling flog und flog. Er strengte sich an, höher und höher. Er gab seine ganze Kraft hin. — —
Als er nicht mehr konnte, gab er auf und ließ sich fallen. — Aber er fiel nicht, er wurde gehalten, unsichtbar getragen. Er schwebte. Er spürte Licht um sich herum, hörte unbekannte Töne und sah plötzlich ein Bild vor sich. Es platzte auf, wie eine Seifenblase. Er sah einen Schmetterling, der an einen Busch flog, seine Eier ablegte und verschwand. Die Sonne kam, der Regen fiel und aus einem Ei schlüpfte eine Raupe, ganz klein und fast unsichtbar. - Der Schmetterling spürte plötzlich in seiner Seele: Das bin ich. — Ich bin dieser kleine Wurm. — Er staunte. —
Die kleine Raupe kletterte los, fraß von den Blättern, versteckte sich vor den Vögeln und Insekten. Sie lebte gut. Kein Tag war wie der andere. Manchmal hatte sie Angst, gefressen zu werden, und versteckte sich. Mal sonnte sie sich übermütig. Sorgen kannte sie nicht und wuchs prächtig. Sie wurde dicker, träger und langsamer. »Was soll aus der wohl werden", fragte sich der Schmetterling, »und ... wie bin ich so schön geworden?" Die Raupe suchte sich einen schönen versteckten Platz. Sie streckte sich an der Unterseite eines kleinen Zweiges und spann sich ein. Langsam aber sicher war nicht mehr viel von ihr zu sehen. —»Stirbt die Raupe etwa?« sorgte sieh der Schmetterling. »Ja«, hörte er Antwort, »sie stirbt und erwacht zu neuem Leben. Sie wechselt ihre äußere Hülle. Das Alte vergeht und das Neue wächst heran. Schau!« Und er sah hinein in die Hülle, die Puppe. Die Raupe war nicht mehr da, er erschrak. — Feine Gliedmaßen entstanden, alles verwandelte sich. Ein Bild löste das andere ab. — Der Schmetterling staunte. — Beinah hätte er übersehen, wie die Puppe sich unten öffnete Ein kleines Loch entstand. Eine neue Gestalt kletterte, nein schob sich langsam heraus und saß im Licht. — —
Die Sonne wärmte sie und sie atmete tief ein. Das neue Leben hatte begonnen. Die Gestalt breitete die zarten Flügel aus und erhob sich in die Luft. —
Das bin doch ich,« dachte der Schmetterling. »Ich fliege dort.« Er sah noch einmal sein Leben bis zu dem Flug, der ihn höher und höher trug.
- Ja, das bist du«, sagte Gott. »Du weißt nun, was vorher war und was nachher kommt. Sonst sieht jeder nur seinen Lebenszeitraum, seine Erfahrung. Er spürt nicht das neue Leben und auch nicht die Ankunft im Licht. — Nur weil du dich fallen gelassen hast, weil du vertraut hast, konntest du mehr sehen.«



 




 



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